Ich stehe an der Haltestelle und schaue auf die Uhr. Der Bus hätte längst da sein müssen. Ich blicke die Straße hoch, ob er endlich um die Ecke biegt. Immer noch nichts zu sehen. Allmählich dringt die Kälte durch die dicken Kleiderschichten und kriecht unter die Haut, bis in meine Knochen.
Mein Blick streift die fünf oder sechs Menschen, die mit mir an der Haltestelle warten. Die meisten starren auf ihr Handy, aber auch sie schauen ab und zu die Straße hoch. Ihnen ist die Unruhe und Anspannung anzusehen. Es geht ihnen wie mir. Wieder schaue ich die Straße hoch und endlich kommt der Bus.
Es gibt einen Bibelvers, der vom Gebet so spricht, als würde man an der Bushaltestelle stehen. Er steckt voller Spannung und Erwartung:

Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen. (Epheser 6,18)

Beten ist wie an der Bushaltestelle zu stehen und Ausschau zu halten. Aber nicht nach dem Bus, sondern nach Gott. Dieser Bibelvers spricht davon, nicht aufzuhören, jederzeit zu beten, wachsam zu sein und auszuharren. Das klingt erwartungsvoll, aufregend – und das überrascht mich. Ganz ehrlich: Zum Beten fehlt mir die Geduld. Da passiert nichts und schnell bin ich gelangweilt. Wer die Hände faltet, kann nichts anpacken. Es fühlt sich an wie Leerlauf oder vertane Zeit, als würde man an der Fußgängerampel stehen und warten, bis sie endlich auf grün schaltet. Lieber lese ich einen Artikel im Internet oder checke meine Emails.
Es muss aber etwas dran sein, weil ich viele Menschen kenne, denen das Beten sehr wichtig ist, genauso wie dem Autor dieses Verses. Er sagt: „Hört nicht auf …“ Damit sind keine langatmigen Worte gemeint, die wie Luftballons über uns aufsteigen und inhaltsleer wie mit Luft gefüllt davonschweben. Beten meint, mit einer Begegnung zu rechnen, als würde es klingeln und ein guter Freund unerwartet in der Tür stehen. Es meint, Ausschau zu halten nach einer Güte, die über uns wacht.
Natürlich könnten Sie fragen: Wozu soll ich meine geistigen Fühler ausstrecken nach jemandem, den es gar nicht gibt? Ich frage lieber umgekehrt: Wäre es nicht tröstlich, wenn da jemand wäre, der uns sein Ohr leiht und dem ich alles sagen kann, was mich bedrückt? Niemand lebt für sich allein. Jeder hat Freunde und Verwandte, auf die er baut. So ist es auch mit dem sprichwörtlichen Blick über das eigene Leben hinaus: Wer betet, schaut die geistige Straße hoch, ob nicht doch Gott um die Ecke kommt. Und wer weiß? Vielleicht wartet er nur darauf, dass Sie nach ihm Ausschau halten.

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