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Der Tempel in Jerusalem hat bis heute überragende Bedeutung in der jüdischen Religion. Hier wird das Unsichtbare sichtbar. Hier kommt der unerreichbare Himmel so nahe, dass man meint, ihn mit Händen greifen zu können. Die Unstetigkeit der Suche nach dem Heiligen sollte aufhören. Der Tempel sollte der Bundeslade eine ständige Heimat geben. In ihr wurden die Gesetzestafeln aufbewahrt und die Erinnerung daran, dass Gott zu uns redet.

Bekanntlich ist der Tempel als Wohnort Gottes unter der Herrschaft Salomos errichtet worden. Zur Einweihung wird ihm ein langes Gebet zugeschrieben und in diesem Gebet findet sich folgender Satz:

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.
1. Könige 8,39

Der Tempel steht für das Äußerliche und Sichtbare der Religion. Er gibt ihr Form im Kult und Gestalt in der Architektur. Trotzdem wendet sich der Betende dem Inneren zu. Jeder Mensch hat ein Herz, das 60 mal pro Minute schlägt. Und doch schlägt jedes Herz anders. Es ist heute Sitz des Gefühls. Wir lieben mit unseren Herzen. Damals hatte man die Vorstellung, dass im Herzen alles zusammenkommt, was einen Menschen ausmacht: Verstand, Gefühl, Intuition. Das Herz steht für die Essenz. Und Gott kennt dein Herz: Deinen zur Schau getragenen Gleichmut genauso wie deine tief verborgene Angst.

Hier tut sich ein merkwürdiger Kontrast auf. Einerseits das Äußere: Der Tempel Gottes als sichtbares und greifbares Zeichen seiner Gegenwart. Andererseits das Innere: Das Herz eines Menschen, das niemand vollständig ergründen kann, außer Gott. Religion ist das, was man äußerlich sieht. Glaube entsteht im Innern. Vielleicht will Salomo davor warnen, beides miteinander zu verwechseln.

Natürlich brauchen wir äußere Zeichen und Symbole, an denen der Glaube emporwachsen kann wie der Sprössling an einem Bambusstock. Dann ist Religion als Stütze hilfreich. Sie kann aber auch zur Isolierschicht werden. Wenn es z.B. nicht mehr darauf ankommt, wie mir Gott im Gottesdienst begegnet ist, sondern ob die richtigen Lieder gesungen wurden und die Predigt „rechtgläubig“ war. Dann stützt Religion nicht, sondern schlägt und verletzt. Verwechseln wir also nicht Religion mit Glauben. Auf den Glauben kommt es an.

Gott kennt das Herz eines jeden Menschen. Und wir? In diesem Satz versteckt sich ein Angebot. So als wollte Salomo sagen: Zu nichts anderem ist der Tempel da, als dass du Gott begegnest und lernst, ihm zu vertrauen. Bis heute ist es so. Alles was in der Gemeinde geschieht soll uns mit Gott in Verbindung bringen. Aus dem kleinen Sprössling des Glaubens soll ein Baum werden gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht verwelken.

Solidarität, Hoffnung und Mut, damit jeder einen Platz hat auf dieser Welt.

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

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