Jesus Christus spricht: Wachet! (Mk 13,37)


Unglücklicherweise ist die religiöse Sprache voller Missverständnisse. Sie meint es anders, als es klingt. Hört man diesen Vers wie man ihn in der Alltagssprache verwendet, muss man sich gegen seinen Inhalt geradezu verwahren: „Seid wachsam!“ Als ob wir uns nicht schon genug auf unseren Alltag konzentrieren müssten mit all seinen Anforderungen. Um die tägliche Flut aus Anfragen, Aufträgen und Terminen zu bewältigen, müssen wir wacher sein als je zuvor. Selbst in unserer Freizeit kommen wir kaum noch zur Ruhe. Ob im Supermarkt bei der Auswahl der Produkte oder im Urlaub bei der Wahl der Freizeitaktivitäten. Als ob nicht Schlaflosigkeit und seelische Erschöpfung eines der Hauptkrankheiten unserer Zeit wären. Und jetzt fügt Jesus noch eine weitere Verantwortung hinzu: „Wachsamkeit.“

Paradoxerweise meint Jesus mit dieser eigenartigen Forderung uns in diesem Getriebe, das kaum noch Entspannung und Ruhe kennt. Denn dieses Gehetze und Gejage ist eine gute Ablenkung von Problemen. Man muss sich nicht mit den tieferliegenden Dingen des Lebens beschäftigen.

So lenken sich manche Ehemänner ab, wenn sie ihr Büro erst spät abends verlassen und am nächsten Morgen wieder die ersten sind, um ja nicht sehen zu müssen, wie wenig sie mit ihren Ehefrauen noch zu gemeinsam haben. Manche Shoppingtour dient der Ablenkung von der inneren Leere, die man vor sich selbst nicht zugeben will. Um diesen Zustand zu ändern, darf man nicht länger die Augen verschließen. Man muss wach werden.

So muss es gemeint sein, wenn Jesus in dieser letzten großen Rede des Markus-Evangeliums sagt: „Wacht auf.“ Lauft nicht länger an euch selbst vorbei und an der Wirklichkeit in ihrer unmenschlichen Härte. Macht euch nicht länger zu Sklaven der Erwartungen und Ansprüche anderer. Macht die Augen auf und nehmt Stellung zu dem, was und wer ihr seid. Findet den Lebensinhalt, der unverwechselbar euch gehört und zu dem ihr sagen könnt: Das bin ich! Dazu hat Gott mich in diese Welt hineingestellt.

Wach werden heißt auch, sein scheinbar kleines Leben von Gottes Ewigkeit her zu begreifen. Wir haben eine Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft. Wir könnten unser Dasein in dem Bewusstsein leben, dass alle Fehler unserer Vergangenheit eingebettet sind in die Gnade seiner Vergebung. Unsere Gegenwart kennt allein die Forderung, so zu leben, wie Er uns gewollt hat und was wir als richtig schon lange in uns spüren. Unsere Zukunft mit all ihren möglichen Enttäuschungen und Ängsten ist eingebettet in sein Ja zu uns. Wenn es uns gelingt, so zu leben, sind wir wach.

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

Wir sind Mitglied im Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland K.d.ö.R.