In der Antike gab es eine merkwürdige Einrichtung – den Schuldturm. Konnte man seine Schulden nicht bezahlen, wurde man da hineingeworfen, bis ein Verwandter kam und die Schulden bezahlte. Der wurde für den Unglücklichen zum Löser oder Erlöser.

Auf diese Praxis geht Hiob ein, wenn er sagt:

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Hiob 19,25

Hiob klagt seinem Freund Bildad sein Leid. Er musste Schicksalsschläge erdulden. Sein Körper ist von Krankheit gezeichnet. Seine Kinder sind tot, seine Frau hat ihn verlassen. Er hat keine Hoffnung mehr. Hiobs Leben ist zu einem Gefängnis geworden oder zu einem Schuldturm.

Da taucht plötzlich dieser Satz auf wie aus dem Nichts. Es gibt einen, der ihn erlösen und aus seiner schlimmen Lage befreien wird. Es gibt einen Schimmer am dunklen Horizont wie die Ankündigung eines neuen Tages nach der Nacht. So plötzlich jemand kommt, einen Unglücklichen aus dem Schuldturm zu befreien, wird ihn jemand aus dem Staub erheben. Wie aus dem Nichts hat Hiob Hoffnung auf Gottes Nähe und dass er nicht völlig verlassen ist: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“

Diesen Satz hat man im Christentum auf Jesus Christus gedeutet. Er ist der Erlöser, der unsere Schulden bezahlt, damit wir aus dem Gefängnis, dem Schuldturm herauskommen. Und Jesus führt diesen Gedanken der Erlösung in einem Gleichnis weiter: Da gibt es einen Verwalter, der das Geld seines Herrn veruntreut hat. Es ist so viel, dass er es niemals zurückzahlen kann. Ihm wird seine Schuld erlassen. Kaum tritt er vor die Schwelle des Hauses seines Herrn, begegnet er einem, der ihm ein paar Euro schuldet. Den lässt er in den Schuldturm werfen, bis er sie bezahlt hätte. Das kommt dem Herrn zu Ohren. Daraufhin lässt er seinen untreuen Verwalter ebenfalls festnehmen und in den Schuldturm werfen.

Jesus will sagen: Wir alle sind Schuldner. Vielleicht nicht in harter Währung, aber in den Beziehungen unseres Lebens. Wir bleiben einander vieles schuldig: Liebe, Verständnis, Hilfe. Unsere Hartherzigkeit klagt uns voreinander an und vor Gott. Würden wir begreifen, was wir bei anderen anrichten, säßen wir wohl neben Hiob im Staub voller Verzweiflung über uns selbst. Stattdessen verdrängen wir, urteilen und werten ab, um uns gut zu fühlen.

Dieser Satz des Hiob und die Hoffnung, die in ihm steckt, dürfen wir uns zu eigen machen: Es gibt den Erlöser, der uns aus dem Gefängnis unserer Hartherzigkeit und des Leids befreit. Sehnt sich nicht insgeheim unser Herz in unserer Brust danach? Ein Leben ohne Schulden. Ein Leben, in dem es Erlösung gibt. Jesus sagt: Wir sollen es bekommen.

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

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