Es gibt das schöne Wort Empathie. Darunter verstehen die meisten eine besondere Sensibilität. Eine Fähigkeit, sich in andere Menschen besonders gut einfühlen zu können. Doch was sagt eine solche Definition schon aus? Sie bleibt unscharf, schwammig, nebulös. Wie genau funktioniert dieses Einfühlen? Wie lernt man Empathie?

Ich hörte mal eine Definition, die Licht ins Dunkel bringt: Empathie ist genaues Hören. Das paßt zum Monatsspruch im Juli.

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. (Jakobus 1,19)

Einmal verabredete ich mich mit jemanden auf eine bestimmte Uhrzeit: „Wir treffen uns viertel Sieben“, sagte ich.

Zur verabredeten Zeit wartete ich und wartete, aber meine Verabredung tauchte nicht auf. Inzwischen war es bereits nach Sieben. Also nahm ich das Handy und rief an: „Wo bleibst denn du?“

Wie, wo bleibe ich? Ich habe doch noch eine dreiviertel Stunde Zeit.“

Nach einigem hin und her klärte sich das Mißverständnis. Viertel Sieben bedeutet 18:15 Uhr. Meine Verabredung hatte aber verstanden: Viertel nach Sieben, also 19:15 Uhr. Wir trafen uns dann doch noch und es wurde eine wunderbare Begegnung.

Solche kleinen Mißverständnisse gehören zum Leben dazu. Inzwischen hat sich rumgesprochen, daß beim Gegenüber oft nicht das ankommt, was man eigentlich sagen wollte. Ein unsichtbarer Filter kann im Extremfall dafür sorgen, daß man etwas in den „falschen Hals“ bekommt. Hier ist Empathie, also genaues Hören gefragt. Vielleicht hatte der Psychologe Carl Rogers sogar unseren Monatsspruch im Hinterkopf, als er empfahl, seinem Gesprächspartner noch einmal zu wiederholen, was man verstanden hat. So lassen sich Mißverständnisse vermeiden.

Empathie ist genaues Hören. Das ist der Schlüssel, um einander besser zu verstehen. Hier können wir von Jesus aus Nazareth lernen. Immer wieder begegnet er Menschen, die an einer schlimmen Krankheit leiden. Er heilt sie aber nicht sofort, sondern fragt erst nach: „Was will ich, daß ich dir tue?“ oder „Willst du gesund werden?“ Eine komische Frage. Es ist doch offensichtlich, was getan werden muß. Trotzdem handelt Jesus nicht über die Köpfe der Menschen hinweg. Vielleicht wollen sie gar nicht das Offensichtliche, sondern haben eine viel tiefere Not.

Bevor wir schnelle Lösungen präsentieren, beurteilen und einteilen, sollten wir ernsthaft zuhören. Was bewegt den anderen? Warum hat er so gehandelt und nicht anders? Was lebt in seinem Herzen?

Vernetzt im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) in Deutschland K.d.ö.R.

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